Naturschutz

Die Bedeutung des Biosphärenreservates Spreewald für den Naturschutz geht weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Denn in der Kulturlandschaft mit ihren Fließen, Wäldern, Wiesen und Äckern finden sich europaweit geschützte Lebensräume in beachtlicher Zahl, z.B. Erlen- und Eschenwälder an Fließgewässern, Niederungswälder oder die Unterwasservegetation von Fließgewässern. Sie bieten einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt Heimat, darunter die Rotbauchunke, die Grüne Mosaikjungfer, dies ist eine Libellenart, der Eremit, ein äußerst seltener Käfer, sechs Fledermausarten und der Fischotter. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der hohe Wert des Spreewaldes für den Naturschutz erkannt worden. 1939 erklärte man weitere Teile des Ober- und Unterspreewaldes zum Landschaftsschutzgebiet. Ein erstes Naturschutzgebiet, der "Kriegbusch" im Unterspreewald, wurde 1938 ausgewiesen. Mit der Gründung des Biosphärenreservates im Jahr 1990 erhielt der Naturschutz im Spreewald schließlich einen ganz besonderen Stellenwert für den Erhalt von Lebensräumen und ökologischer Vielfalt. Wobei es stets darum geht, nicht Natur an sich, sondern die Kulturlandschaft Spreewald zu bewahren und zu entwickeln.

Biotop- und Artenschutz

Im Spreewald sind rund 5000 Tier- und Pflanzenarten heimisch. Darunter europaweit ausdrücklich geschützte wie die Rotbauchunke, die Grüne Mosaikjungfer - eine Libellenart, der Eremit - ein äußerst seltener Käfer, sechs Fledermausarten und der Fischotter. Der scheue Wassermarder hat hier eines seiner letzten natürlichen Reproduktionsgebiete in Europa, denn die Spreewaldfließe bieten ihm ideale Lebensbedingungen: Verstecke, Rastplätze, ein reiches Nahrungsangebot. Obwohl nur mit ganz viel Glück zu entdecken, ist er nahezu im gesamten Gewässernetz zu Hause.

Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald

Der Gewässerzustand dagegen weist noch weitgehend die an hohe Abflussmengen angepassten Verhältnisse auf. Im Ergebnis besteht heute eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Ausbauzustand der Gewässer und dem Wasserdargebot. Dies zieht negative Auswirkungen auf die ökologischen Verhältnisse insgesamt nach sich und es muss gegengesteuert werden. Große Bedeutung kommt hier dem Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald zu.

Das Spreewaldwiesenprogramm

Das Spreewaldwiesenprogramm beinhaltet Ausgleichszahlungen für naturbedingte Nachteile zuguns-ten von Landwirten in benachteiligten Gebieten. Seit 2007 bezieht sich die Förderung ausschließlich auf das Biosphärenreservat. Ziel des Programms ist es, die spreewaldtypische kleinteilige Flächennutzung auf Feuchtwiesen und Weiden kleiner als 3 ha und damit wichtige FFH-Lebensraumtypen vor Nutzungsaufgabe zu schützen. Damit ist die Erhaltung von ca. 2.500 Hektar Feuchtwiesen in ihrer spezifischen kleinteiligen Struktur bisher gelungen. Im Zeitraum 2007-10 wurden ca. 0,47 Mio. € Ausgleichszahlungen an 135 landwirtschaftliche Unternehmen gezahlt. In Kombination mit anderen Extensivierungsprogrammen werden durchschnittliche Flächenförderungen von 285 Euro/ha erreicht. Damit wird die Erhaltung der Biodiversität, die Vermeidung der Landnutzungsaufgabe und Erhalt extensiver Nutzungsformen mit positiven Effekten zum Einkom-mensausgleich für Landwirte in benachteiligten Gebieten erfolgreich umgesetzt.

Orchideenwiese Byhleguhrer See

Seit 1990 wird eine artenreiche Feuchtwiese am Byhleguhrer See durch späte Mahd und Anstau des Sees gezielt im Sinne des Orchideenschutzes gepflegt. Die Maßnahmen dienen gleichzeitig dem Schutz des Niedermoores auf ca. 60 ha. Seit 1994 hat sich der Bestand auf durchschnittlich 15.000 Exemplare stabilisiert . Die Finanzierung des Projektes erfolgt über den Vertragsnatur-schutz.

DBU-Pilotprojekt

„Borstenanlagen im Spreewald“ Von 2005 – 2007 wurde im Biosphärenreservat mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt das Pilotprojekt „Erhaltung von Habitaten der Kleinen Flussmuschel durch Einrichtung von Borstenan-lagen“ erfolgreich durchgeführt. Projektpartner war die Universität Gesamthochschule Kassel. Ziel war es, durch Einbau von künstlichen Borstenelementen eine Verbesserung der Gewässerstrukturen zu erreichen. Weiterhin wurde ein mit Borstenelementen versehener Fisch-Kanu-Pass errichtet, um eine verbesserte Durchgängigkeit für Fische und Makrozoobenthos zu erreichen, gleichzeitig Was-serstände zu halten und die touristische Nutzung zu gewährleisten. Inzwischen wurden ähnliche Fisch-Kanu-Pässe mehrfach erfolgreich an anderer Stelle etabliert.

Natura 2000

Zusammen mit den Europäischen Vogelschutzgebieten (SPA – Special Protection Areas) gehören die FFH-Gebiete (Fauna Flora Habitat) zum europaweiten Natura 2000 Netzwerk. Im Biosphärenreservat Spreewald besitzen alle Naturschutzgebiete sowie weitere 2.247 Hektar wertvoller Lebensräume im Landschaftsschutzgebiet Spreewald den Status von FFH–Gebieten. Die Gesamtfläche beträgt 11.898 Hektar. Sechzehn in Europa besonders geschützte Lebensräume konnten hier identifiziert werden.

Die Heimkehr des Bibers in den Spreewald

Spielende Biber (Foto: Gerhard Schwab)
Spielende Biber (Foto: Gerhard Schwab)

Über 100 Jahre war der Spreewald frei von Bibern – die letzten Exemplare wurden Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Im Jahre 2003 erreichten die ersten Biber aus dem Oder-Gebiet (dort gibt es seit den 1960-er Jahren eine gemischte Population aus Elbebibern und Woronesh-Bibern) über den Oder-Spree-Kanal und die Spree wieder den Unterspreewald. Drei Jungtiere haben sich hier auf natürlichem Wege einen freien Lebensraum erobert. Biber sind Reviertiere und müssen mit ca. 3 Jahren das elterliche Revier verlassen, wobei sie über 100 km wandern können. Inzwischen ist die größte heimische Nagetierart im gesamten Spreewald wieder heimisch und hat große Teile des Biosphärenreservates erobert. So glückte ihm vor ca. fünf Jahren durch das Stadtgebiet Lübben der Übergang vom Unter- in den Oberspreewald. Im Frühjahr 2008 wurde eine erste Burg südlich von Lübben entdeckt. Das ließ darauf schließen, dass er auch hier schon länger anwesend war, denn eine Burg entwickelt sich erst im Laufe mehrerer Jahre. Im Sommer 2009 wurden dann die ersten Nachweise unmittelbar im Umfeld von Lübbenau bekannt, z. B. am Bürgerfließ, am Dorotheengraben und an der Hauptspree. Im Herbst 2009 entdeckte die Naturwacht Fraßspuren in Schmogrow, das heißt  ca. 14 Kilometer Luftlinie von den Lübbenauer Vorkommen entfernt. Eine Ansiedlung beginnt meist in der Regel damit, dass ein Biber sich an einer reich mit Nahrung ausgestatteten Fläche einstellt und Wasserpflanzen bzw. Weichhölzer frisst. Zunächst legt er in der Nähe eine Sasse an. Meist entwickeln sich dann aus den Sassen Erdbaue, die man im Gelände wegen ihrer Eingänge unter Wasser kaum findet. Daraus wiederum entwickeln sich dann Mittelbaue und schließlich Burgen, die bekannten Bauwerke aus Astwerk. Im Biosphärenreservat sind Ende 2013 mindestens 30 dauerhaft besiedelte Biberreviere bekannt, wobei sich 18 im Unter- und 12 im Oberspreewald befinden. Während der Biber im Unterspreewald flächendeckend verbreitet ist, kommt er im inneren Oberspreewald bis zur Linie Wehr Eichenwäldchen - Burg – Raddusch vor. Nachweise östlich davon, sowie in Nord- und Südpolder sind dagegen noch spärlich. Von gefällten bzw. angenagten Bäumen abgesehen sind die bisher gesichteten Spuren meist unauffällig und unscheinbar. Größere Schäden – etwa an Deichen oder in Obstkulturen – sind bisher nicht bekannt geworden. Der Biber baut in unseren Gewässern bisher kaum Dämme, da die Fließe meist tiefer als 50 cm sind und einen konstanten Wasserstand aufweisen Die weitere Entwicklung der Tiere wird von der Naturwacht und den Unteren Naturschutzbehörden genau beobachtet, denn der Biber können auch Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und Obstbäumen verursachen. Diesen eventuellen Schäden kann man aber vorbeugen – z.B. durch Zäunung wertvoller Obstbäume und anderer Baumpflanzungen oder durch das belassen von natürlicher Vegetation entlang der Gewässerufer.